Pinhole Day 2017

Seit 17 Jahren ist der letzte Sonntag im April „Internationaler Lochkamera-Tag„. So haben wir gestern also wieder einmal die Lochkameras geladen, noch rasch zwei neu gebastelt und sind losgezogen, bei sonnigem, also idealen Wetter. Die Belichtungszeiten sind so schon lang genug…

Ich hatte mir überlegt, dass wir einen Ort brauchen, der viel grafische Strukturen und hohe Kontraste zu bieten hat. Und ich wollte nicht die ewig-gleichen Eisenbahnschienen-Fotos oder Bilder von Denkmälern, häufige Sujets der Lochkamera-Fotografie. So spazierten wir auf das Gelände eines Altmetallhändlers und stellten die Kameras auf. Es hat funktioniert:

Lochkamera in Position

Das Ergebnis (Belichtungszeit: 20 Sekunden)

Die am Vorabend noch rasch zusammengebastelten Schachtelkameras mit verschiedenen Brennweiten richteten wir auf dasselbe Sujet, um den Unterschied sichtbar zu machen.

grössere Brennweite – fast schon ein Teleobjektiv, resp. Teleloch

Kürzere Brennweite, eher Weitwinkel

 

Meine VR-Brillen und ich

VR-Brillen_kleinAls Kind war ich fasziniert vom View Master. Das waren diese Brillen, mit den man auf Rädern eingelassene Stereo-Fotografien ansehen konnte, vorzugsweise Disney-Trickfilm-Szenen oder exotische Tiere und Landschaften.

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an einem VR-Workshop teilzunehmen, anlässlich der Ausstellung von Ian Cheng «Forking at Perfection» im Migros-Museum für Gegenwartskunst. Cheng pröbelt mit den neuen Techniken zur Virtuellen Realität herum, in Ausstellungskatalogdeutsch tönt das etwa so: «In seiner künstlerischen Arbeit untersucht Ian Cheng (*1984, USA) die Wesensart und unterschiedlichen Aspekte von Mutationen und die Fähigkeit des Menschen, sich äusseren Umständen anzupassen. (…)  In seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz zeigt Cheng zwei Versionen der Simulation Emissary Forks At Perfection: einerseits eine Projektion im Panoramaformat, die 2015 zum ersten Mal zu sehen war, andererseits eine Mutation oder Verzweigung («fork») dieser ersten Version, die den Besucher dazu einlädt, auf einem Tablet-Computer die Welt der Simulation, ihre Organismen und unablässige Dynamik physisch zu erkunden.»

Konkret: In einem Raum gab es eine Videoprojektion eines Programms, dass so programmiert ist, dass eine Geschichte sich (mehr oder weniger) zufällig weiterentwickelt und eine Art von dystopischer Evolution in einer postapokalyptischen Welt simuliert wird. In einem zweiten Raum kann man diese grundsätzlich ähnliche Geschichte beeinflussen, indem man sich mit einem Tablet im leeren Raum bewegt und die Geschichte sich dann auf dem Tablet entfaltet und entwickelt, je nach dem wohin man sich bewegt. Im Wesentlichen muss man einem kleinen Hund nachspazieren, und dann entwickelt sich etwas – folgt man dem Hündchen nicht, bleibt der Bildschirm leer. Ich habe den Raum mit einem grossen «so what?» im Kopf verlassen – der technische Aufwand immens, der Erkenntnisgewinn relativ schmal. Aber seien wir grosszügig: Die Kunst ist erst ganz am Anfang mit Ausloten, wozu die Mittel von VR eingesetzt werden könnten.

Nicht nur, was die Kunst betrifft, auch in Bezug auf Storytelling allgemein erschliesst sich mir noch nicht, welchen Mehrwert VR bieten kann. Gegenwärtig wird viel nur deshalb entwickelt, so scheint es, weil «man es kann» und weil es eine geile neue Technik ist. Die Frage, was man mit dem Film, der App, dem Programm etc. erzählen will, stellt sich höchstens am Rand *). Und wenn diese Frage nicht bald mehr ins Zentrum rückt, wird VR wieder verschwinden – so wie die 3D-Fernseher, die ja so ziemlich gefloppt sind. Ob 2016 wie von Herstellern und enthusiastischen Technikjournalisten beschworen das Jahr von VR werden wird, über den Kreis von Hard Core Gamern hinaus, wird sich zeigen – ich bin eher skeptisch. Die Ausrüstung ist teuer, umständlich, braucht viel Platz und bietet nach der ersten Faszination nicht genug, um die mühsamen Seiten auszugleichen.

Am Workshop hatten wir die Möglichkeit, VR-Geräte der neusten Generation auszuprobieren. Spass gemacht hat das definitiv! Ich habe zwei Anwendungen getestet: Ein Zeichenprogramm – es ist schon extrem lustig, wenn man frei im Raum Kreise um sich herum zeichnen kann – und eine Art point-and-click Spiel, das in einer Piratenbar spielt. Dabei lernte ich kennen, was «motion sickness» bedeutet. Das Spiel stockte einmal eine Sekunde, und mir wurde auf der Stelle extrem übel!

Ausserdem haben wir uns eine Karton-VR-Brille gebastelt und ein paar VR-Apps ausprobiert. Die neuen VR-Geräte sind teuer: Das geht schnell in den vierstelligen Bereich. Die Kartonbrillen hingegen, von Google erfunden, sind für unter 20 Franken zu haben, und es gibt ein paar Apps dazu, die sogar gratis sind. Wer Lust hat, diese kostengünstige Version von VR – oder zumindest von 3D –  auszuprobieren, hat die Wahl zwischen verschiedenen Gratis-Apps. Folgende habe ich ausprobiert und kann sie empfehlen:

  • Google Cardboard natürlich, für die ersten Schritte und mit einem sehr hübschen integrierten Kaleidoskop
  • VRPlayer: Splittet normale Videos zu 3D-Videos, klappt erstaunlich gut.
  • NYTVR: Die New York Times experimentiert mit 360°-Filmen als ergänzende Elemente des Storytelling.
  • Youtube: Für Android gibt es die Möglichkeit, 360°-Filme zu splitten, so dass man sie zusätzlich noch 3D geniessen kann
  • Upside Down VR: Eine Umkehrbrille!
  • Zum Schluss noch ein Spiel: Proton Pulse ist ein klassisches Arcade-Spiel, übersetzt in die Mittel von VR. Eigentlich für die „grossen“ VR-Systeme gedacht, aber es gibt auch eine Cardboard-Version.

… und natürlich hat inzwischen auch der gute alte ViewMaster seine eigene 3D-Brille und passende Apps im Angebot:

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*) Ich beziehe mich hier nicht auf VR für Games oder für Trainings-Simulatoren, da scheint mir der Sinn einleuchtend: In eine Gamewelt ganz eintauchen , dass das einige Leute wollen, scheint mir evident. Und, nebenbei bemerkt, nicht unbedenklich – aber das ist eine andere Geschichte.

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P.S.: Nicht zu verwechseln mit VR ist AR, augmented reality, bei der die richtige, nicht die virtuelle Welt im Zentrum steht und mit Zusatzinformationen versehen, „erweitert“, wird. Apps wie «peakfinder» oder die Google-Brille gehören in diese Kategorie. Wem AR Angst macht, dem sei der Thriller «Zero. Sie wissen, was du tust» von Marc Elsberg ans Herz gelegt – AR, Totalüberwachung und Datenhandel formen sich zu einer beängstigend gegenwärtigen Dystopie. «Willkommen in Paranoia!»

Parlament Glarus Nord: Wahlen

Am Wochenende vom 31. Mai/ 1. Juni sind in Glarus kantonale und kommunale Wahlen.

Ich würde mich sehr gerne, zusammen mit meinen KollegInnen aus der SP, im Gemeindeparlament von Glarus Nord weitere vier Jahre für ein wirkungsvolles Parlament, eine vernünftige Raumplanung und eine sowohl sozial als auch ökologisch und wirtschaftlich nachhaltige Entwicklung unserer Gemeinde einsetzen!

Auf www.smartvote.ch kann man nachsehen, welche Landrats-KandidatInnen der eigenen politischen Haltung am nächsten stehen (oder am weitesten davon entfernt sind). Die Gemeindeparlaments-KandidatInnen sind nicht auf smartvote erfasst, meine „Spinne“ sieht jedenfalls so aus:

spider

 

 

 

 

 

 

 

Kaffeetropfen

Durch den stosszeitvollen Bus arbeiten sich fünf VBZ-Angestellte. Sämtliche Fahrgäste haben ein gültiges Billet, niemand muss die fünf nach draussen begleiten. Handtaschen schliessen sich, Kopfhörer werden wieder eingesteckt, die Türen piepsen, der Bus fährt weiter.

Der Mann neben mir versucht, einen vollen Kaffeebecher, eine Aktentasche und ein Trottinet unter Kontrolle zu halten. Ich wechsle meine Tasche auf die ihm abgewandte Seite.

Ein Abteil hinter mir wechselt ein Lockenstab die Besitzerin. Ein Schwall von Anweisungen in einer mir unbekannten Sprache begleiten ihn. Die beiden Frauen sitzen nebeneinander. Ihre Haare sind glattfrisiert und unterscheiden sich nur in der Farbe.

Der Buschauffeur hält nicht viel von sanften Kurven. Der Mann neben mir hat seinen Kaffee zur Hälfte getrunken.

Drei Abteile weiter schläft ein Berufsschüler im Stehen. Sein Rucksack ist ein Stück offen, die Ecke eines Ordners drängt ins Freie. Die Lockenstabbesitzerin nimmt den Schüler wahr und überprüft sämtliche Reissverschlüsse  ihrer Tasche.

Der Mann stellt den geleerten  Kaffeebecher unter seinen Sitz. Er fällt um, der letzte Tropfen Kaffee spritzt auf meinen Schuh.

Unter Pfahlbauern

pfahlAm Sonntag war ich im Pfahlbauten-Museum in Uhldingen am Bodensee. Das Museum ist schon alt, es entstand 1922. Die historisch nicht präzisen Teile stehen immer noch, eingebettet in Erklärungen, im Sinne eines Museums im Museum. Im ältesten Haus wird jetzt eine Maus-Sachgeschichte gezeigt, die den Nachbau eines Pfahlbaus mit historischen Werkzeugen begleitet hat. Die Maus. Da kann Wikipedia einpacken.
Das Konzept des Museums beinhaltet, dass man nur mit Führung hineinkommt. Anschliessend kann man sich frei bewegen, aber zuerst gibt es eine obligatorische Führung. Das passt nicht allen, erstaunlicherweise gibt es Leute, die der Meinung sind, sie hätten ein Recht darauf, das Museum ohne Führung zu besuchen. Weil sie ja bezahlen. Und die es dann unfreundlichen finden, wenn sie erst reingelassen werden, wenn die Gruppe komplett ist.
Am Anfang steht eine dreiteilige mulitmediale Einführung, die etwa 10 Minuten dauert. Diese nimmt einen mit auf einen Tauchgang mit zwei ArchäologInnen und erklärt die wesentlichen Punkte der Arbeit an der Rekonstruktion des Lebens der Pfahlbaukulturen und die wesentlichen Erkenntnisse, die wir heute darüber haben. Die Führung geht durch drei gestaltete Räume, und insbesondere der mittlere ist einfach wunderschön gemacht. Mit Film- und Fotoprojektionenen auf Milch(plexi)glaswänden und -decke, mit ausgeklügelter Lichtregie und bedrucktem Teppichboden und sorgfältiger Geräusch- und Tonspur hat man den EIndruck, auf dem Seegrund zu stehen (sogar haptisch  – der Teppich ist moosig-algig-weich) und die Taucher von unten bei der Arbeit zu beobachen.
Die anschliessende Führung hat mich aber am meisten beeidruckt. Der Führer hat nicht einfach erklärt, sondern mit viel Leidenschaft eine Geschichte erklärt. Die Geschichte, wie sich in der Bronzezeit die Menschen entwickelt haben. Wie aus Innovationen heraus neue Entwicklungen notwendig wurden. Eine Geschichte von Wandel und Anpassung. Warum war diese Führung so packend, was zeichnet sie aus? Ein paar Elemente glaube ich benennen zu können:
  • Es war eine Geschichte. Er hat nicht Gegenstände oder eine Situation beschrieben, sondern seine Ausführungen hatten eine Richtung und immer eine „Pointe“, das heisst, sie führten immer zu etwas hin. Und dieses Ziel hat er eingeordnet und einen Bezug zu den Zuhörenden hergestellt (Kalorienverbrauch eine Steinzeit-Tagwerks entspricht einer Tour-de-France-Etappe).
  • Es war persönlich. Sein eigenes Skript, und er hat persönliche Erfahrungen eingeflochten (Fuchsfleisch stinkt schrecklicher als jene Gerberei in Marokko, wo sie einem Pfefferminzblätter zum in die Nase stopfen geben, bevor man sie besichtigen geht)
  • Er nahm Bezug auf die Anwesenden und bezog sie mit ein (ein vegetarisches Mädchen, das die Nase rümpfte bei der Erzählung über die Essgewohnheiten, sprach er später nochmal darauf an – aber nur einmal! Er hat sie nicht zu seinem Opfer gemacht, nur gezeigt, dass er das Publikum wahrnimmt).
Eine gute Führung erzählt eine Geschichte mit Spannungsbogen und Pointe, sie ordnet ein, beantwortet die W-Fragen (Wer-Wo-Was-Wann-Wie-Warum), nimmt Bezug auf die Zuhörenden, und die erzählende Person ist persönlich spürbar, authentisch.

Cola selbst gemacht

Ich will von vielen Dingen wissen, „wie das geht“. Und was man mit vertretbarem Aufwand – wobei „vertretbar“ je nach dem ein dehnbarer Begriff ist – selber herstellen kann, möchte ich gerne selber herzustellen versuchen.

Heute habe ich mich an Cola versucht, nach einer Interpretation des Originalrezepts aus dem wunderbaren „the extraordinary cookbook“ von Stefan Gates. Es braucht dazu – nebst Cola-Nüssen und viel Zucker – auch eine Reihe von ätherischen Ölen (Neroli, Zimt, Muskat, Koriander, Orange), Limettensaft und Zitronenschale. In unserem Haus riecht es extrem weihnächtlich und sehr appetitlich.

Fazit: Cola geht auch schmackhaft.

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Black Butter. Jetzt ist WIRKLICH Herbst.

Sehr viel Spass hat es gemacht, mit der uralten Apfelzange die Äpfel vom Baum der netten Nachbarin zu pflücken, die froh ist, wenn ich ihr helfe, den Mengen an Äpfeln beizukommen. Es sind Äpfel, die roh nicht besonders gut schmecken, gekocht aber himmlisch sind. Ich habe daraus Apfelmus gekocht, aber vor allem auch Black Butter. Das ist eine Spezialität von der Kanalinsel Jersey, eine dick eingekochte Apfelpaste mit etwas Zitrone, Zimt und Lakriz gewürzt. Auf Jersey wurde das früher in nachbarschaftlicher Zusammenarbeit hergestellt:
httpv://youtu.be/Sp5LklyyQFM

Ich habe etwas kleinere Mengen gekocht. Für 8 Gläser à einem halben Liter:

  • 1 Liter sauren Most

ca. 1/2 Stunde einkochen.

  • 800 Gramm Melasse
  • 800 Gramm Zucker
  • 2 kg Apfelstückchen von geschälten Äpfeln

beigeben und unter gelgentlichem Rühren 2 Stunden köcheln lassen

dünn geschnittene Scheiben von 2 Zitronen

  • 1 EL Zimt
  • 1 TL Piment, ersatzweise schwarzer Pfeffer
  • 1 TL Nelkenpulver

Beigeben und nochmal eine halbe Stunde köcheln lassen.
Mit dem Stabmixer durchgehen, sich nicht anspritzen lassen!
In Gläser abfüllen, fertig.
Nach ein paar Monaten Lagerung ist der Black Butter fast schwarz.

(Weitere Informationen zu Jersey Black Butter: http://jersey.com/English/eatingout/genuinejersey/Pages/BlackButter.aspx)