Abenteuer aus zweiter Hand

Ich liebe Abenteurgeschichten. Schelmenromane. Road Movies in Buchform. Piratenromane. Science Fiction auch. Ich liebe Captain Blood, die Monkey Wrench Gang, den Hitchhiker’s Guide, Ijon Tichy, die Romane von Hildegunst von Mythenmetz, die zwölf Stühle, Chabons Schurken der Landstrasse. Auch den „neuen“ Roman von Cervantes, die Irrfahrten von Persiles und Sigismunda, habe ich verschlungen. Und und und.

Meine aktuelle unbedingte Leseempfehlung in diesem Genre: Pietrs Reise von Joann Sfar. Hat zwar nicht so gute Kritiken bekommen, ich behaupte aber: Die haben das Buch einfach nicht verstanden. Wenn man, wie die Hauptfigur, Spinoza nicht kennt, und auch noch nie etwas davon gehört hat, dass die Piraten die eigentlichen Erfinder der modernen Demokratie sind, und nicht etwa die Alten Griechen (kein Witz!), entgeht einem eigentlich der Kern der Sache.

Was mich aber je länger, je mehr stört, ist die Tatsache, dass alle meiner Lieblingsbücher von Männern geschrieben sind und meistens auch männliche Hauptfiguren haben. Mitte Juni habe ich auf Facebook einen Hilferuf platziert:
„Ich würde so gerne einmal einen Abenteuerroman lesen mit einer oder mehreren weiblichen Hauptfiguren, gerne auch einen Schelmenroman oder dergleichen, und am liebsten zur Abwechslung auch mal von einer Frau geschrieben – und ja, die Trobadora Beatriz hab‘ ich schon vor dreissig Jahren gelesen und seither schreiben meistens Männer die Bücher, die ich gerne lese. Beziehungserkundungen und introspektive Seelenerforschungen und erschütternde Schicksalsschläge und Familiensagas interessieren mich nicht besonders.
Hat mir jemand einen Tipp?“
Das ergab folgende Liste:
– Alles von Chimamanda Ngozi Adichie
– Lilas Faschinger, „Magdalena Sünderin“
– Annie Proulx, Schiffsmeldungen
– Isabel Allende, Fortunas Töchter
– „Flammenwerfer“ von Rachel Kushner

Sobald ich die Lebensbeschreibung  Charmine Londons Biografie ihres Mannes Jack London gelesen habe, mache ich mich an diese Liste! (Dieses Buch habe ich mir besorgt, nachdem ich Jack Londons Schilderungen seines Versuchs einer Weltreise mit einem untauglichen Segelboot gelesen habe – weil darin diese Reise aus der Perspektive von Charmaine geschildert wird. )

Weitere Tipps für Abenteurromane von und mit Frauen werden sehr, sehr gern entgegen genommen.

Über Binsenwahrheiten

„Binsenwahrheiten“ verbreite es, das Buch „Der Hunderjährige, der aus dem Fenster stieg“von Jonas Johannson, las ich diese Woche im Feuilleton.

Das ist abschätzig gemeint. Aber was ist dran falsch, eine Binsenwahrheit zu bringen, insbesondere, wenn sie auf eine Art gebracht wird, dass man sie wirklich zu begreifen glaubt? Zumal es sich in diesem Fall um eine handelt, die umzusetzen dann gar nicht mehr banal ist. Und von

Im Fall des „Hundertjährigen“ handelt es sich um die Folgende:

Es ist, wie es ist und es kommt, wie es kommt“.

Wer kann von sich schon behaupten, WIRKLICH diesem Gedanken gemäss zu leben?

 

Wo ist Herr Meyer, wenn man ihn braucht?

Herr Meyer ist Orthographiesünderjäger, Werber, Blogger und Buchautor. Auf unserem Osterspaziergang habe ich ihn mit seinem tollen Einsatzfahrzeug vermisst –  nicht nur bei der hier abgebildeten Holzbeige. Auf demselben Spaziergang kommt man auch an einem Schild vorbei, dass vor Aufenthalten „im- und auf dem Wasser“ warnt. Das so gefährliche Wasser steht im „Tankgraben“, ja: Ich wohne ganz knapp IM réduit.

Herr Meyers Buch heisst „Wolkenbruchs wunderliche Reise in die Arme einer Schickse“, man kann es hier probelesen. Es ist unbedingt empfehlenswert – ich habe schon lange nicht mehr so vergnügt gelacht. Ausserdem: Ein Buch, in dem das Wort „blümerant“ vorkommt, MUSS man einfach lieben!

 

Enttäuscht vom Meer

Ich bin  ein grosser „Mare“-Fan. Ich mag die Zeitschrift, ich mag die iPhone-App (ich weiss jetzt immer, wie weit es in jeder Richtung zum nächsten Meer ist! Das ist wichtig, so was.), ich mag die Bücher. Der „Atlas der abgelegenen Inseln“ liegt jederzeit griffbereit neben dem Bett, „Die Wette“ habe ich zwar nicht gelesen, aber in einem Zug durchgehört. Und nun das – ausgerechnet mit dem Roman des ersten Zürchers „writer in resicence“ (die Zürcher haben’s lieber englisch als deutsch…)  Olli Jalonen, „14 Knoten bis Greenwich„, werde ich überhaupt nicht warm. Der Roman ist hoch gelobt, von der finnischen und der deutschsprachigen Presse, er ist nominiert für den Finlandia-Preis. Es sei eine Geschichte um zwei Brüder, um Freundschaft, Liebe, Fernweh, und ein Zeitporträt. Ich empfand bloss Langeweile beim Lesen – in MEINEM Expemplar dieses Romans war offenbar eine andere Geschichte drin. Eine Geschichte von ein paar Männern und einer Frau um die Dreissig, die auf einer absurden, sehr unerwachsenen Reise ihr Leben fast oder ganz verlieren, ohne Sinn, und ohne sich viel zu überlegen.
Das ist das erste Mal seit vielen Jahren, dass ich ein Buch nicht fertiggelesen auf die Seite lege. Ich hätte nicht gedacht, dass mir das bei einem Mare-Buch passiert (ich fühle mich ein bisschen hintergangen von meinem Lieblingsverlag, jawohl).

Heute abend widme ich mich dann dem „Master von Ballantrae„. Da geht es auch um zwei Brüder, der Roman ist auch bei mare erschienen, aber er ist von Robert Louis Stevenson. Da kann nichts schiefgehen…