Über das Pendeln

Ich pendle. Seit über 22 Jahren. Damit bin ich eine von 2500 GlarnerInnen, die mit dem Zug zur Arbeit fahren. Aus dem Kanton Glarus fahren mehr Menschen zur Arbeit raus als rein, im Kanton Zürich, meinem Pendelziel, ist es umgekehrt. 85’000 Menschen mehr fahren rein als raus.
Im Durchschnitt pendeln Schweizer PendlerInnen 14.5 km pro Strecke und brauchen dafür 29 Minuten. Ich brauche für die 75 Kilometer 80 Minuten, und bin damit gefährdet. Gefährdet, unglücklich zu werden, gefährdet, Kopfscherzen (1), Verdauungsprobleme, Schlafstörungen oder gar hohen Blutdruck oder Beziehungsprobleme zu bekommen. Sagt eine „amerikanische Studie“, die die Unglück-Schwelle bei 50 Minuten pro Arbeitsweg ansagt.
Das ist wohl nicht ganz falsch, gilt aber nicht uneingeschränkt: Die FAZ konsultiert zum selben Thema einen Arbeitspsychologen. Dieser hält fest: „Pendeln heute für viele Arbeitnehmer Teil ihrer beruflichen Selbstverwirklichung ist. War der Job früher ausschließlich zum Geldverdienen da, ist er heute für viele Menschen Teil ihrer Persönlichkeit. Man identifiziert sich stärker mit dem Beruf und will nicht einfach irgendwas machen. Für diese Menschen ist das Pendeln deshalb oft das kleinere Übel.“
Ich pendle nicht leidenschaftlich gern. Aber besonders schlimm finde ich es auch nicht. Zugegeben – es gibt eine Reihe von Umständen, die es mir leichter machen: 50 der 80 Minuten lege ich im nicht überfüllten Schnellzug zurück und kann es mir leisten, erster Klasse zu fahren. Die restlichen 30 Minuten kann ich, wenn ich möchte, zu Fuss zurücklegen, auf Kieswegen oder dem Wasser entlang. Ich habe einen schönen Arbeitsweg.
Wichtiger noch ist aber, dass ich mich nicht gezwungen fühle. Klar, ich hätte lieber einen kürzeren Arbeitsweg.
Ich liebe meine Arbeit, sie ist sinnvoll, interessant, nie langweilig, sie passt zu mir und meinen Werten und ist dadurch ein wichtiger Teil meiner Identität. Arbeitsstellen wie diese sind (fast) nur in der Stadt zu haben. 
Gleichzeitig wohne gern da, wo ich wohne. Ich möchte nicht in der Stadt leben, mit einem Überangebot an Möglichkeiten, die mich eher lähmen als inspirieren. Ich möchte nicht in der Stadt leben und Tag für Tag von Verkehrslärm oder Menschenkrach geweckt werden. Ich möchte, dass es Nachts dunkel und ruhig ist. So habe ich eine Wahl getroffen.
Dass mich Pendeln nicht unglücklich macht, macht mich zwar auch nicht gerade zur Pendlerin aus Leidenschaft und Überzeugung – aber ich habe mich damit arrangiert und bin soweit zufrieden.

 

Das würde ich in der Stadt vermissen: Die Natur vor der Haustür (fast jedenfalls).

Quellen:

 (1) Ja, ich habe den Tippfehler gesehen, resp. bin darauf hingewiesen worden. Ich finde ihn aber zu schön, um ihn zu korrigieren.

Frühlings-Selbermachen: Frischkäse mit Bärlauch

Frischkaese

Schon seit jeher möchte ich gerne Sachen selber machen. Ausprobieren, „wie das geht“. Heute haben wir von einem wunderbaren Frühlingsspaziergang etwas Bärlauch mit nach Hause genommen, im Kühlschrank hatte es noch einen Liter Ziegenkäse, und voilà: Frischkäse mit Bärlauch. Noch lauwarm gegessen: Ein Gedicht!

  • 1 Liter Ziegemilch auf 95 Grad erhitzen
  • Saft einer Zitrone dazugeben
  • Unter gelegentlichem Rühren 10 Minuten köcheln lassen
  • Durch ein Tuch abseihen
  • Den Frischkäse aus dem Tuch in eine Schüssel geben
  • Etwas Salz, einen Esslöffel Olivenöl und eine handvoll fein geschnittenen Bärlauch dazugeben
  • Fertig!

Alleine Wandern

Alleine Wandern ist etwas, das ich eigentlich nie mache. Für die Zeit zwischen zwei Arbeitsstellen jedoch schien es mir angebracht, mir einen Allein-Tag zu „verordnen“, um zur Ruhe zu kommen und um umzuschalten. Das wirkt – ein sogenanntes „Solo“ ist denn auch eine gängige natur- und erlebnispädagogische Methode, die hilft, zu sich selber zu kommen und zu eine Verbundenheit mit der Natur zu erleben. Nach fast 16 Jahren Arbeit im Bereich Naturpädagogik dachte ich mir, es sei höchste Zeit, die Methode auch mal an mir selber auszuprobieren ;-).

Ich war alleiner als gedacht – ich dachte mir zwar schon, dass an einem Arbeitstag im Frühling nicht allzu viele Leute am Wandern sind, da es aber der einzige Schönwettertag der letzten Woche war, erstaunte es mich schon, dass ich – abgesehen von der Stunde im „Berg“-Restaurant – höchstens einem Dutzend Leuten begegnete.

Meine Route führte mich von Gibswil auf den Bachtel und wieder runter nach HInwil. Insgesamt 13 Kilometer, 400 Höhenmeter hinauf und 650 Höhenmeter hinunter.

Wissengubel_1000In Gibswil findet man den Weissengubel, eine spektakuläre und gut zugängliche Höhle, von denen es im bachreichen Bachtel-Tösstal-Nagelfluh-Gebiet zahllose gibt. Sie ist so schön, dass es für die Benutzung Beschränkungen gibt. An diesem Aprilmorgen jedoch waren ausser zwei Gemeindearbeitern, die ein bisschen aufgeräumt haben und nach fünf Minuten wieder weg waren, kein Mensch da ausser mir. Der perfekte Ort für ein kleines „Solo“, um eine Stunde ruhig dazusitzen und dem Wasser zuzuhören.

Auswahl

Auf dem Bachtel hat es eine riesengrosse Auswahl an Wanderwegen, und für jedes Ziel mehrere Wege.

Und ich suche mir natürlich genau die Variante aus, die nicht mehr richtig gepflegt wird…

 

 

Zuner Weg

Der Weg hinunter nach Hinwil war dann (leider) nicht mehr so waldig.

Am Wegrand entdeckte ich wunderschöne vierblättrige Einbeeren, die Apfelbäume blühten, die Vögel zwitscherten und zum Schluss hatte der Zug nach Hause massiv Verspätung – nicht nur die Natur, auch die Technik trug ihren Teil zu meinem Entschleunigungsprogramm bei. Nun bin ich bereits und offen für das Neue.

vierblättrige einbeereP.S.: Auf dem Bachtel habe ich entdeckt, dass Yoda offensichtlich Züritüütsch konnte:

yodobachtel

 

Seekrank

Seit dem 27. Juli bin ich seekrank. Ausfall des Gleichgewichtsorgans, links. Von einer Sekunde auf die andere Dauerdrehschwindel und Übelkeit. Die ersten zwei Tage war mir zum Erbrechen schlecht und ich konnte nur noch liegen, dann ging es in kleinen Schritten immer ein kleines bisschen besser. Inzwischen fühle ich mich so, wie wenn ich zwei Bierchen zu viel gehabt hätte.

Besonders fies: Es passierte am ersten Tag in den Bretagne-Ferien. So habe ich mich dort gefühlt:

Meer

 

stell dr eini vor

Ä Tiärbildli-Faserpelz-Frau lauft mer entägä. Beesch mit Wolf und Baum und Mond.
zZüri uff dä Bahnhofstraas! Was macht dänn die da!
Tere iri Chind heisset sicher Kevin, oder Tscheienn.
Zum Goiffeur chännt sie au mal widr.
Aber tNegel sind tipptopp gmacht.
Hät sicher en Hund, oder gad drü.
Iräs Hobby, öppis nur für sii. Am Samschtig amigs id Hundeschuelig uf dr Wisä hinderem Dorf.
Ufdr Zinnä än Rasäteppich, und än Chugelgrill.
Zum Geburtstag gits öppis zum Abstaubä, vo Swarovski.
Aber wer weiss – vilicht fahrt si ja au friiwillig Behindertätaxi
und macht die beschtä Mailänderli vu dr Wält.

 

Eis, Eis, Eis!

Dieser Winter ist nicht sehr winterlich – es hat keinen Schnee, und kalt ist es (bisher) auch noch nicht. Die Schneearmut hat einen Vorteil: Der Klöntalersee kann gefrieren, wenn es nicht draufschneit, und fürs Klöntal reicht das bisschen Kälte, das wir haben. Im Klöntal scheint die Sonne im Winter nie.

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Das Eis war, zumindest am Rand, nicht besonders gut, sehr holprig, viele Bruchstücke. Das ist zum Schlittschuhlaufen furchtbar anstrengend, ich habe mich deshalb auch weitgehend ans Spazieren gehalten, es sieht dafür aber sehr schön aus.

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Ich konnte ausgiebig mein neustes Spielzeug ausprobieren, eine wasserdichte und stossfeste Outdoor-Hülle mit extrem starkem Weitwinkelobjektiv fürs „Telefon“.

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Der See ist nicht ganz zugefroren. Es empfiehlt sich, die Absperrungen zu beachten.

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Rückenwind

Wir haben ein Faltboot (Kajak), zu dem es auch ein Segel gibt. Das Kajak hat kein Schwert, also kann man nicht kreuzen, sondern nur mit dem Wind segeln. Nach vier Jahren im Besitz des Segels klappte es dieses Wochenende endlich mit dem Wind: Er kam in der richtigen Stärke aus der richtigen Richtung, und trug uns längs über den ganzen Walensee von Weesen bis Walenstadt.

2013-08-31 18.40.44

In Walenstadt wurde der Ausflug gekrönt von einer wunderbaren Windwetter-Abendstimmung.

Zurück aus Wales

2013_Katia_Fähre

Diesen Sommer zog es uns nach Wales. Ein paar Duzend Meilen westlich von Cardiff in einem kleinen Ort in einer ehemaligen Kapelle wohnten wir, und machten Ausflüge in alle Richtungen. Wir Umweltbewussten reisten natürlich nicht im Flugzeug an, sondern mit Zug und Fähre (Näfels – Zürich – Paris -Le Havre – Portsmouth – Cardiff – Kidwelly. Insgesamt jeweils eineinhalb Tage und eine Nacht).

Das Reiseziel ausgewählt hatten wir, weil wir alle grosse Fans der BBC-Sience-Fiction-Serie „Doctor Who“ sind, die dieses Jahr ihr 50jähriges Bestehen feiert. Die Serie wird in Cardiff gedreht, wir wollten die Schauplätze sehen, und in Cardiff steht auch ein Doctor-Who-Museum, und das haben wir natürlich besucht.

Südwales ist geprägt von Industriegeschichte. Kohle-Abbau und Metallverarbeitung prägten die Landschaft. Es heisst, die industrielle Revolution habe in Europa in Südwales begonnen. Das ist allerdings Geschichte – in den Neunzigerjahren wurden die in den Achzigern von Ms Thatcher wieder privatisierten Kohleminen geschlossen. Das steckt den Leuten immer noch in den Knochen (Ms Thatchers Tod wurde hier gefeiert). Die Täler wurden dank immenser Anstrengungen wieder grün, es gibt nur noch drei Kohleminen in Betrieb und eine der grösseren ist inzwischen ein nationales Kohle-Bergbau-Museum (the big pit).

2013_BigPit

 

Wales ist nicht weit von England entfernt, und trotz aller Unterschiede – die Sprache! man isst hier zum Tee die Scones nicht mit Schlagrahm, sondern mit Butter! – gibt es auch viel Gemeinsames. Zum Beispiel schöne Gärten. Der National Botanic Garden trumpft mit dem grössten freistehenden Glasdach Europas vom Stararchitekten Norman Foster auf.

2013_National Botanic Garden

Heute strebt Wales nicht die Unabhängigkeit von Grossbritannien an (im Unterschied zu den Schotten). Das war aber nicht immer so: Als Britannien unter Normannischer Herrschaft war, kostete es sie einige Anstrengung die Macht zu behalten. Zeuge davon sind die unzählbaren Burgruinen – diese Burgen dienten nicht der Verteidigung gegen aussen, sondern der Machterhaltung gegen innen. Hier der Turm von Kidwelly Castle, nur wenige Meilen von unserer Ferienwohnung entfernt. Diese Burg diente als Kulisse für den Monty Phyton Film „the holy grail“.

2013_KidwellyCastle

Seit langem wieder einmal hatte ich eine „Lismete“ dabei in den Ferien, zwei Putzlappen in den walisischen Landesfarben entstanden dort. Die walisische Flagge zeigt einen roten Drachen auf grün-weissem Grund (grünes Land, weisser (!) Himmel). Der rote Drache ist Wales, der gemäss der Prophezeiung Merlins eines Tages einmal gegen den weissen Drachen (aka England) siegen wird.

2013_Lümpen_1000

Nach dem grossen Regen

Gäsi (am Walensee)

Gäsi (am Walensee)

 

Auf der Bergstrasse

Auf der Bergstrasse

Die Rauti fliesst auf unser Haus zu (und daran vorbei).

Die Rauti fliesst auf unser Haus zu (und daran vorbei).

 

Am Haslensee

Am Haslensee

Aufbruchstimmung

Bereits als Jugendliche war ich politisch aktiv. Damals lebte ich in Stans NW und engaierte mit ich der 1981 gegründeten grünen Partei „Demokratisches Nidwalden“, half Flyer verteilen, arbeitete an der Vorbereitung von Ausstellungen mit, schrieb Leserinnenbriefe, arbeitete in AGs mit. Meine ganze Pubertät über hing dieses Plakat in meinem Zimmer:

DN

(Quelle Plakat: Schweizer Plakatsammlung)

Diese Plakat so lange Zeit jeden Tag anzusehen, hat mich tief geprägt. Jeden Frühling aufs Neue muss ich raus, die ersten Huflattich-Blümchen suchen. Sehe ich Huflattich, spüre ich Aufbruch!

Gestern war es wieder so weit. Der erste Huflattich im Frühling 2013, und wusch! sind die Frühlingsgefühle da. So ganz neben bei hilft der daraus gekochte Tee, dem letzten Husten des Winters den Garaus zu machen…

huflattich

Auf demselben Frühlingsspaziergang entdeckten wir ganz viele Grasfrösche. Nach der Linth-Renaturierung finden diese nun wieder einen Lebensraum, und sie nutzen ihn zur Zeit intensiv.

grasfrosch3