1991 – 2013

Berlin, Ossietzkyplatz, 1991:

concert-garten 1991 bearb

Berlin, Ossietzkiplatz, 2013:

concert-garten 2013 bearb

Schön, dass nicht ganz alles Alte verschwunden ist.

 

Besuch in meiner Vergangenheit

telefonwollank

1990/1991 lebte ich ein Jahr in Berlin, um an der FU im Westen der Stadt Philosophie zu studieren. Gewohnt haben wir jedoch im Ostteil der Stadt. Und weil damals erst so langsam anfing zusammenzuwachsen, was eigentlich gar nicht sooo unbedingt zusammenwachsen wollte, war dieses Leben in zwei Systemen ab und zu tückisch. Zum Beispiel in telefonischer Hinsicht.

Im Osten Berlins gab es noch kaum private Telefone. Und wenn, konnten diese keine Verbindungen in den Westen herstellen.  Die öffentlichen Telefone konnten dies schon mal alle ganz sicher nicht. Wenn wir nun also unsere jeweiligen Eltern anrufen wollten – und das wollten wir schon ab und zu -, mussten wir auf die andere Seite. In Westberlin konnten damals aber auch noch nicht alle Telefone überall hin Verbindungen erstellen. Die weitaus meisten waren Inseltelefone. Dasjenige „internationale“ öffentliche Telefon, das unserer Wohnung am nächsten gelegen war – eine halbe Stunde mit Bus und Tram -, stand beim S-Bahnhof Wollankstrasse.

Seit 1991 war ich nur einmal kurz in Berlin, auf der Durchreise. Und dann erst diese Woche wieder, für ein Treffen mit meinen deutschen und österreichischen WWF-KollegInnen. Heute hatte ich mir einen Tag Zeit genommen für einen Streifzug durch die alten Reviere. Die Telefonzelle an der Wollankstrasse gibt es noch – und sie kann immer noch internationale Verbindungen herstellen, ich habe es ausprobiert ;-).

 

Stickmaschinen und Lastwagen

Hat man viele Söhne, ist es vermutlich unausweichlich, dass man früher oder später in einem Museum wie dem Saurermuseum in Arbon landet. Die Jungs interessierten sich eher am Rande dafür, dass die Lastwagen für Sauer ein Nebenzweig waren – am Anfang standen Stickereimaschinen wie diese hier, von ca. 1880:

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Eine solche Maschine oder eine ähnliche stand vermutlich in jener Zeit auch im „Lokal“ unseres Nachbarhauses, bedient vom Ur-Ur-Grossvater meiner Kinder. Mit dem Pantographen tastete man das Muster ab, mit den Füssen löste man die Stiche aus. Eine Fädlerin fädelte die Fäden ein, es sind unzählige, entwirrte, rettete, entknotete. Beides war eintönige und wenig einträgliche Knochenarbeit. Die „Fergger“ – Zwischenhändler, Agenten, wie auch immer -, brachten die Aufträge und holten die fertigen Arbeiten ab. Von den ausbeuterischen Arbeitsbedingungen der Heimsticker erzählt der fundiert recherchierte Roman „Die Sticker“ von Elisabeth Gerter (Unionsverlag).

Etwas später kamen die programmierbaren Stickmaschinen auf, erst die Scheibenautomaten, dann die mit Lochstreifen betriebenen.

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Das ist dieselbe Programmierart, die auch bei meiner heissgeliebten alten Elna Supermatic im Spiel ist.

Auf alten Saurer-Webmaschinen werden im Museum wunderbare Leinen-Handtücher hergestellt. Zwei davon sind jetzt bei uns zu Hause – wer weiss, vielleicht genau diese hier:

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Und zuletzt noch ein Bild von denjenigen Exponaten, derentwegen wir die Reise nach Arbon „eigentlich“ gemacht haben:

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Weihnachtsspaziergang bei 15 Grad…

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2012_12_25_Hagebutte

2012_12_25_Sonnenbaum

Rückblick auf die Parlamentssitzung – und auf die Ferien

Kaum zurück aus den Ferien, ging es voll zur Sache: Letzten Donnerstag verabschiedete das Parlament Glarus Nord das Budget 2013. Insbesondere wurde der Budgetposten für den Neubau eines Forstwerkhofes in Näfels – ein Posten von 1.6 Mio – aus dem Budget gestrichen. Ich finde es richtig, dass das Parlament dazu etwas mehr Informationen will als vier Zeilen im Kommentar und finde den Entscheid daher grundsätzlich richtig – mit dem unguten Gefühl, dass man damit zwar dem Gemeinderat ein Zeichen setzt (wieder einmal), die Sache ausbaden müssen aber die Forstangestellten, denen man dadurch optimierte Arbeitsbedingungen ein Jahr länger vorenthält. Gut, das letzte Wort dazu hat am 29. November die Gemeindeversammlung, mal sehen.

Dass die SVP-Motion zur Schuldenbremse überwiesen wurde, ist mir hingegen unbegreiflich. Unser Gemeinderat spart ja sowieso schon wo es nur geht und eher zu viel als zu wenig, da brauchen wir nicht die schärfste Schuldenbremse der Welt. Auch hier ist zum Glück das letzte Wort noch nicht gesprochen, der Gemeinderat muss jetzt eine Vorlage ausarbeiten, über die wir nochmal diskutieren werden – und gegen die wir nochmals kämpfen werden!

***

Die Ferien waren übrigens sehr erholsam. Und Südfrankreich definitiv sehr schön:

Sonnenuntergang im Alten Hafen von Marseille

Fast täglich schwimmen hinter dem Wellenbrecher

Der Sardellenfischer von Cassis blickt aufs Meer und seine Liebste, eine Nixe.

Der wunderbare Calanques-Stein gibt einen schönen Boden her für die Stadt Cassis.

 

Salzgewinnung in der Camargue (anklicken: Es ist ein Panorama-Bild)

Das naturhistorische Museum von Marseille:
So altertümlich, es wäre selber schon ausstellungswürdig.

Und ja: Es war noch Sommer in der Provence!
(Strickgraffiti im Bahnhof Aix-en-Provence TGV)

Endlich Ferien!

Meine diesjährige Offline-Zeit war nicht im Sommer, sie kommt erst jetzt im Herbst. Es geht Richtung Süden, in den Süden Frankreichs. Ich freue mich auf ein paar warme Tage.

Zur Einstimmung etwas Musik auf Okzitanisch:
httpv://youtu.be/VsyxRaPGs3U

 

Der Herbst ist da – und ein erster Schal

Gestern habe ich die ersten Herbstzeitlosen gesehen, das bedeutet: Der Herbst ist da. Das stimmt wohl nicht nur mich ein bisschen melancholisch. Der Sommer ist zu Ende, vorbei ist es mit den langen warmen Abenden, mit dem vielen Licht. Es wird wieder früher dunkel, die Füsse stecken wieder in Socken und geschlossenen Schuhen (jedenfalls frühmorgens). Andererseits kehrt die Stricklust zurück. Den Sommer über rühre ich meine Nadeln kaum an.

Letzte Woche kam das Abonenntinnen-Geschenk von Rowan, meinem Lieblingsstrickmagazin. Es handelt sich dieses Jahr um ein Modegarn, einen gestrickten Schlauch aus Kidsilk Haze (das ist ein ganz dünnes Garn, Mohair/Seide). Dies kann man eigentlich fast nur zu etwas ganz Bestimmtem weiterverarbeiten, dem von Rowan vorgeschlagenen Spiralschal:

Das dauerte etwa eine halbe Stunde, und das Resultat ist ganz hübsch – auch wenn ich mir ein solches „convenience-Garn“ niemals selber kaufen würde.

Wen es interessiert, welche Technik da verwendet wird – Rowan stellt ein Tutorial-Video dazu zur Verfügung. Es ist wirklich Arbeiten mit Halbfabrikaten…
httpv://youtu.be/0FTMtcYtegs

Ein Gruss von der Bad RagARTz

Die Bahnhofsuhr von Bad Ragaz ist umpompomt. Sie hat also Pompoms, rundherum. Ich bin mir sicher, das ist sehr tröstlich, wenn man den Zug verpasst hat. Die Zeit ist knallhart, aber mit weicher Schale.

Das ist nicht das einzige wollige Kunstwerk an der diesjährigen BadrARTz, der Beitrag der Schule an die Ausstellung ist insgesamt sehr bestrickt.

So gehen Ferien, Teil zwei

Auf einer Velotour Rast machen am Zürichsee, mit einem guten Buch.

Sich während der grössten Hitze ins kühle Atelier verziehen und versuchen, einen gefütterten Blazer zu nähen (ich glaube, es klappt).

Und nicht zuletzt: Einen GANZEN Tag Zeit für die Drehbank. Die wunderbare Schalenröhre ausprobieren, die mir meine Fraktion zur Wahl als Gemeindeparlamentspräsidentin geschenkt hat.

Diese Schüssel ist aus einem Chriesibaum, der in der Stadt Zürich gewachsen ist. Eine Arbeitskollegin hat ihn mir geschenkt. Er war nicht so gut gelagert, also ziemlich gestockt, was im Holz schöne Zeichnungen gibt. Die Idee war, eine Schüssel zu drehen, so gross, wie es der Baum zuliess  – darum ist sie aussen noch so „bäumig“, und nur innen glänzend glatt poliert. Sie ist 17 cm hoch und 12.5 cm tief, hat einen Aussdurchmesser von 36 und einen Innendurchmesser von 5 cm.  Die Schüssel ist schwer, sehr schwer: 6.8 kg. Ich habe soooo einen Muskelater!

 

Studienreise von Fusionsgemeinde zu Fusionsgemeinde

Letzte Woche verbrachte das Büro des Parlaments Glarus Nord, dessen Vizepräsidentin ich bin, zwei Tage im Val de Travers auf Studienreise. Wir besuchten eine Parlamentssitzung – die letzte der Legislatur – und fast alle Sehens- und Drinkwürdigkeiten des Tals. Die grüne Fee haben wir ganz knapp nicht gesehen, es heisst, man sähe sie erst ab dem 11. Glas…

Val de Travers ist eine fusionierte Grossgemeinde aus 9 ehemaligen Kleingemeinden. Die Fusion hat ähnliche Dimensionen wie unsere in Glarus Nord und fand zwei Jahre vorher statt. Auch das Wappen ähnelt demjenigen von Glarus Nord – und das gab vor fast einem Jahr den Ausschlag, dass ich dem Büro vorschlug, mit Val de Travers Kontakt aufzunehmen. Die Diskussion mit den Gemeinderäten (nix -Innen…) und beim Nachtessen auch mit den ParlementarierInnen brachte Unterschiede und Gemeinsamkeiten zu Tage, die Stoff für Überlegungen bieten. Ich wusste z.B. nicht, dass es Gemeinden gibt, die die Gemeinderäte nicht in Volkswahl direkt wählen, sondern durch das Parlament. Das hat durchaus seine Vorteile! Und ein paar Auswirkungen, die uns im Vorfeld irritierten, nun aber klar sind: Der Gemeinderat führt im Auftrag des Parlaments die Geschäfte der Gemeinde, und somit ist es der Gemeinderat, der uns eingeladen hat. Für uns war das zuerst die falsche Ebene – aber aus der Realität der Gemeinde Val de Travers heraus logisch. Auch sind die Gemeinderäte Vollzeit angestellt, und nicht wie bei uns 20-30%. Dafür sind sie operativ stärker aktiv, sie sind gleichzeitig auch als Bereichsleiter tätig. Es war auch spannend zuzuhören, wie die Diskussionskultur in einem anderen Parlament aussieht.

Wir wurden insgesamt sehr herzlich empfangen und bewirtet, die Zeitung berichtete im Voraus über unseren Besuch. Das hatte zur Folge, dass ein sehr netter alter Herr, Zweifel mit Namen und aus Linthal stammend, an die Parlementssitzung kam um uns zu begrüssen. Er ist seit 62 Jahren im Val de Travers wohnhaft.

Der Status von offiziellen Gästen hat auch zur Folge, dass man Zutritt zu exklusiven Lokalitäten oder Produkten bekommt. Unser Besuch begann im L.U.C.eum in Fleurier, das ist das Privat-Museum der Besitzerfamilie von Chopard. Ich werde mir nie im Leben eine Chopard-Uhr leisten können, aber das Museum ist fantastisch, und nicht öffentlich – normalerweise nur für gute Kunden zugänglich. Das Museum zeigt Meilensteine der Uhrmacherei, und mir hatten es zwei Exponate besonders angetan, einerseits natürlich eine Drehbank:

Und andererseit eine Dezimalzeit-Uhr von Berthoud aus der Zeit der Französischen Revolution:

Nachdem es am Abend relativ spät wurde – dank des offiziellen 2012er-Absinths* der Gemeinde war das Durchhalten nicht besonders schwierig – war der zweite Tag nicht ganz einfach zu meistern ;-). Dennoch war das Val-de-Travers-„Pflichtprogramm“ wunderbar: Asphaltmine, Distillerie-Besuch, Creux du Van – alles war dabei. Es ist ein Glück, dass das unselige Absinth-Verbot aufgehoben wurde. Seither hat die Qualität und Vielfalt dieser gesunden Gebräue – zwei Nobelpreisträger hat das Val de Travers, NUR wegen des Absinths! ;-) – zugenommen. Unter dem Verbot waren die Flaschenetiketten jedoch sehr poetisch!

Am Sonntag waren dann Wahlen. Entsprechend aufgeregt waren unsere Gastgeber. Leider haben die socialistes nicht zugelegt – aber immerhin auch nicht verloren. Gewonnen haben die POP und die Grünen, und ein kleines bisschen die SVP – alle auf Kosten der mit einem Sitz Vorsprung auf die SP immer noch sitzstärksten FDP. Der GEmeinderat wird in der Zusammensetzung also nicht wesentlich verändert, der Fortsetzung der diplomatischen Beziehungen sollte nichts im Weg stehen.

 

* dieser wird jeweils am 24. Februar gekürt, dem Geburtstag der Abstimmung über die Einheitsgemeinde, im Rahmen eines Gemeindefestes, zu deren Programm eine symbolische „Landsgemeinde“ gehört.