Zick – zack – geflickt! Wider die geplante Obsolenz.

Ich liebe Rüeblisalat. Und Selleriesalat. Und ja, natürlich auch Schokoladekuchen.

Der Zusammenhang? Für alles brauche ich meine geliebte, alte Zyliss Trommelreibe. Gekauft vor etwa zwanzig Jahren tut sie immer noch ihren Dienst – jedenfalls fast: Der Gummi-Saugfuss wurde inzwischen spröde und will nicht mehr recht halten. Einmal drehen, einmal frisch ansaugen – das wird auf die Dauer mühsam.

In unserer heutigen Welt ist es oft so, dass man beim Versagen der ersten Komponente gleich das ganze Ding entsorgen muss. Mit entsprechend wenig Hoffnung habe ich mich daher an die Firma Zyliss gewandt mit der Frage nach allfällig erhältlichen Ersatzteilen. Und entgegen meinen pessimistischen Erwartungen gibt es diese Gummifüsse zu der zwanzigjährigen Reibe noch. Und nicht nur das: Hätte ich eine Reibe gehabt, die nochmal zwanzig Jahre älter gewesen wäre, hätte ich auch deren Fuss ersetzen können – diese Gummifüsse gibt es zwar offiziell nicht mehr, dafür ein kleines Werkzeug, mit dessen Hilfe man die „neuen“ Gummifüsse aufs Format der alten zurechtschneiden könnte.

So geht das mit dem Widerstand gegen die geplante Obsolenz! Danke Zyliss – dafür, dass ihr zwar das Design der Trommelreibe in den letzten zwanzig Jahren verändert habt, nicht aber die Masse der Verschleissteile, über alle Handänderungen und Turbulenzen der Marke Zyliss hinweg. Das entspricht einer der zentralen Forderungen der Grünen zur Vermeidung der geplanten Obsolenz, Standardisierung und Normierung – hier innerhalb der Versionenreihe eines einzelnen Produktes.

 

Warum ich ein grosses Haus brauche – Entrümpeln, nein danke!

Unser Haus ist ziemlich gross. Sehr gross. Mit genug Platz für Werkstatt, Bastel- und Nähzimmer und vieles mehr. Zum Glück heizen wir mit Holz, und auch nur jeweils diejenigen Räume, die gerade genutzt werden, sonst würde unser ökologischer Fussabdruck jeden Rahmen sprengen.

Wir brauchen diesen vielen Platz. Wir sind Flicker und Bastler und Heimwerker und Selber Macher,  und dazu braucht man nicht nur eine Werkstatt und viel Werkzeug (unsere Bohrmaschine ist viel mehr als 1.5 Minuten pro Jahr in Gebrauch!), sondern auch Stauraum, für all diejenigen Sachen, die man „vielleicht einmal gebrauchen kann“.

Regenjacke vorherLetzte Woche z.B. habe ich mir eine neue Regenjacke gekauft. Wenn die alten innen so aussieht, ist nämlich nichts mehr zu machen.

Bei Flickern und Bastlern geht es nun nach dem Kauf der neuen Jacke so weiter, dass die alte aufgeschnitten wird und alle Teile, die man „vielleicht einmal gebrauchen kann“ werden herausgetrennt.

Regenjacke nachher

So haben wir einen reichen Vorrat nicht nur an herausgetrennten Reissverschlüssen, Elektrozubehör, Holzstücken, Rohrteilen, alten Möbeln, halb kaputten Dingen, die man – genau – „vielleicht einmal für etwas gebrauchen kann“.

In diesem Sinne ist es ziemlich nachhaltig, sehr viele Dinge zu besitzen – oder vielleicht sind all die vielen, vielen gesammelten und noch nicht wieder genutzten Dinge nur EIN, allerdings ein ziemlich grosses Ding – unser Sekundär-Rohstoff-Lager nämlich.

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By Stefan Kühn (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Entrümple-Dein-Leben-Bewegung ist definitiv nichts für mich.

 

 

 

„Zero Waste Home“ ist puristischer Blödsinn – Abfall möglichst reduzieren ist aber trotzdem richtig, liebe Calida

Am eco.naturkongress Ende März habe ich Béa Johnsons Projekt „Zero Waste Home“ kennen gelernt. Béa Johnson ist die Päpstin des abfallfreien Lebens, ihre Familie produziert einen Liter Abfall pro Jahr. Davon kann sie inzwischen gut leben: Sie hat einen Blog, sie hat Bücher geschrieben, sie fliegt (sic!) um die Welt, um den chicen und gesunden „zero waste lifestyle“ zu promoten. Ich habe diesem Projekt gegenüber mehrere Vorbehalte. Die wichtigsten:

  • Sie fliegt rund um den Globus um ihren Lebensstil zu promoten. Um diesen CO2-Ausstoss zu kompensieren, muss sie SEHR viele Menschen überzeugen.
  • Abfall ist bei weitem nicht die einzige – und erst recht nicht die wichtigste ! – Komponente eines nachhaltigen Konsums. Verpackte Lebensmittel können z.B. haltbarer sein als offene und Foodwaste entgegenwirken.
  • Offenverkauf produziert nicht keinen Abfall – der Verpackungsabfall bleibt einfach im Laden. Klar ist es weniger – aber halt nicht Zéro. Wenn Béa Johnson diesen indirekten Abfall nicht mitrechnet, macht sie sich und ihren AnhängerInnen etwas vor.
  • Man kann Abfall auch einfach anderen KonsumentInnen delegieren: Die Kleider auf dem Flohmarkt verkaufen, bevor sie kaputt sind – dann müssen sie die nächsten Besitzer entsorgen. Oder das zweitneuste Smartphone weiterverkaufen und sich dann das neuste kaufen.
  • Mein wichtigster Vorbehalt: Selber „rein“ zu bleiben und jaaaa keinen Fehler machen bindet sehr viel Energie. Den Aufwand, den man treibt, um ja keinen Abfall zu produzieren (oder um ausschliesslich vegan zu essen und zu leben, oder um ein Jahr lang „ums tüüfls gwalt“ keine Konsumartikel zu kaufen etc. etc.) nimmt einem die Energie und raubt einem die Zeit, die man nötig hätte, um sich dafür einzusetzen, dass sich gesellschaftlich etwas verändert.

Trotz dieser Einwände: Komplett falsch liegt Béa Johnson nicht. Wir produzieren tatsächlich viel zu viel Abfall (und wir essen auch zu viel Fleisch und Milchprodukte, nebenbei bemerkt). Das ist ein grosses Problem, und Béa Johnson ist eine grossartige Motivations-Rednerin und eine gute Autorin. So kann sie unbestreitbar dazu inspirieren, sich Gedanken darüber zu machen, wie es denn mit weniger Abfall gehen würde.

Tauschen, Mieten, Reparieren, Reduzieren – das alles ist gut und sehr wichtig. Läden wir Original Unverpackt in Berlin oder auch der Bachser Märt, der in der Fililale Kalkbreite in Zürich über 50 Produkte unverpackt anbietet, sind wichtige Pioniere. Denn wir haben ein riesengrosses Plastikproblem . Und ein ziemlich verkanntes Sekundärrohstoff-Verschwendungsproblem (2). Und überhaupt ein Umweltproblem.

Genau genommen hat unser Planet ein Menschenproblem.

abfall

Gewisser Abfall ist einfach nur – *grr*: Zum Beispiel Calida

Heute habe ich ein neues Unterhemd gekauft. Ich habe mich für eines von Calida entschieden, denn der Laden im Dorf führt diese Marke und ich weiss, dass dieses Hemdchen lange schön bleiben wird, also lange nicht im Abfall landen wird. Nur war es leider in einen äusserst stabilen Kunststoffumschlag verpackt. Und das, obwohl Calida sich einiges vorgenommen hat in Sachen Nachhaltigkeit – nachzulesen im CSR-Report 2014 (den man übrigens auf der Calida-Website löblich schnell findet). Das hat mich dazu bewogen, Calida ein Mail zu schreiben:

Calidaplastikganz„Sehr geehrte Damen und Herren
Heute habe ich mir ein neues Unterhemd gekauft. Ich habe mich für eines von Calida entschieden, weil ich weiss, dass dieses lange halten wird. Das ist mir wichtig, denn wir produzieren in der Schweiz viel zu viel Abfall.
Es gefällt mir, dass Calida gemäss CSR-Report Wert auf Recycling und Müllvermeidung legt. Leider habe ich mich nicht für eines jener Produkte entscheiden können, das am Bügel angeboten wird. Die waren mir alle zu spitzenverziert, ich brauchte hingegen ein schlichtes Sporthemd. Und hier widerspricht die Verpackung Ihrem Anspruch leider stark: Die Plastikverpackung ist von einer Stärke und Wertigkeit, die absolut überflüssig ist. Sie schreiben, die „Produkteverpackungen dienen primär der optimalen Information der Kunden“ (CSR-Bericht, Seite 27). Die Information auf dem Plastik besteht aber lediglich im aufgeklebten Preisschild. Das wäre sicher mit sehr viel weniger Verpackungsmüll möglich.  Ich stelle mir zudem vor, dass mit einer weniger aufwändigen Verpackung auch das Transportvolumen reduziert werden könnte.
Es würde mich sehr freuen, wenn Sie Verpackungsalternativen prüfen würden.
Mit freundlichen Grüssen, Katia Weibel“

Ich bin gespannt, ob ich von Calida eine Antwort bekomme, und wie sie lautet.

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(1): Die Prizipien der Abfall-Verminderung, die Béa Johnson promotet, sind grundsätzlich sehr sinnvoll und im Alltag ein hilfreicher Merksatz – aber wie bei allem, bitte massvoll damit umgehen:
Refuse, Reduce, Reuse, Recycle and Rot
(Abfall verweigern, reduzieren, wiederverwenden, rezyklieren, und kompostieren).

(2): Dazu eine interessante Studie des GDI:
http://www.gdi.ch/media/summaries/2012_D_GKR_Recycling_Summary.pdf