Unter Pfahlbauern

pfahlAm Sonntag war ich im Pfahlbauten-Museum in Uhldingen am Bodensee. Das Museum ist schon alt, es entstand 1922. Die historisch nicht präzisen Teile stehen immer noch, eingebettet in Erklärungen, im Sinne eines Museums im Museum. Im ältesten Haus wird jetzt eine Maus-Sachgeschichte gezeigt, die den Nachbau eines Pfahlbaus mit historischen Werkzeugen begleitet hat. Die Maus. Da kann Wikipedia einpacken.
Das Konzept des Museums beinhaltet, dass man nur mit Führung hineinkommt. Anschliessend kann man sich frei bewegen, aber zuerst gibt es eine obligatorische Führung. Das passt nicht allen, erstaunlicherweise gibt es Leute, die der Meinung sind, sie hätten ein Recht darauf, das Museum ohne Führung zu besuchen. Weil sie ja bezahlen. Und die es dann unfreundlichen finden, wenn sie erst reingelassen werden, wenn die Gruppe komplett ist.
Am Anfang steht eine dreiteilige mulitmediale Einführung, die etwa 10 Minuten dauert. Diese nimmt einen mit auf einen Tauchgang mit zwei ArchäologInnen und erklärt die wesentlichen Punkte der Arbeit an der Rekonstruktion des Lebens der Pfahlbaukulturen und die wesentlichen Erkenntnisse, die wir heute darüber haben. Die Führung geht durch drei gestaltete Räume, und insbesondere der mittlere ist einfach wunderschön gemacht. Mit Film- und Fotoprojektionenen auf Milch(plexi)glaswänden und -decke, mit ausgeklügelter Lichtregie und bedrucktem Teppichboden und sorgfältiger Geräusch- und Tonspur hat man den EIndruck, auf dem Seegrund zu stehen (sogar haptisch  – der Teppich ist moosig-algig-weich) und die Taucher von unten bei der Arbeit zu beobachen.
Die anschliessende Führung hat mich aber am meisten beeidruckt. Der Führer hat nicht einfach erklärt, sondern mit viel Leidenschaft eine Geschichte erklärt. Die Geschichte, wie sich in der Bronzezeit die Menschen entwickelt haben. Wie aus Innovationen heraus neue Entwicklungen notwendig wurden. Eine Geschichte von Wandel und Anpassung. Warum war diese Führung so packend, was zeichnet sie aus? Ein paar Elemente glaube ich benennen zu können:
  • Es war eine Geschichte. Er hat nicht Gegenstände oder eine Situation beschrieben, sondern seine Ausführungen hatten eine Richtung und immer eine „Pointe“, das heisst, sie führten immer zu etwas hin. Und dieses Ziel hat er eingeordnet und einen Bezug zu den Zuhörenden hergestellt (Kalorienverbrauch eine Steinzeit-Tagwerks entspricht einer Tour-de-France-Etappe).
  • Es war persönlich. Sein eigenes Skript, und er hat persönliche Erfahrungen eingeflochten (Fuchsfleisch stinkt schrecklicher als jene Gerberei in Marokko, wo sie einem Pfefferminzblätter zum in die Nase stopfen geben, bevor man sie besichtigen geht)
  • Er nahm Bezug auf die Anwesenden und bezog sie mit ein (ein vegetarisches Mädchen, das die Nase rümpfte bei der Erzählung über die Essgewohnheiten, sprach er später nochmal darauf an – aber nur einmal! Er hat sie nicht zu seinem Opfer gemacht, nur gezeigt, dass er das Publikum wahrnimmt).
Eine gute Führung erzählt eine Geschichte mit Spannungsbogen und Pointe, sie ordnet ein, beantwortet die W-Fragen (Wer-Wo-Was-Wann-Wie-Warum), nimmt Bezug auf die Zuhörenden, und die erzählende Person ist persönlich spürbar, authentisch.

One Comments to “Unter Pfahlbauern”

  1. stefanie sagt:

    Ich glaub ich muss da hin. Danke!

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