Choice overload – Nachhaltigkeit als Lebenshilfe

Wir leben in einer Zeit mit zu viel Auswahl. Jeden Tag müssen wir unzählige Entscheidungen treffen.  Es sind nicht mehr Eltern, das Dorf, die Religionsgemeinschaft, die Tradition etc., die einem viele Entscheidungen abnehmen, wir müssen es selber tun. Und damit nicht genug: Wir müssen uns auch bei jeder Entscheidung zwischen immer mehr Optionen entscheiden. Wir können alles haben, überall, jederzeit.

Dies führt bei vielen Menschen zu Überforderung. „Choice overload“, ist das Stichwort. Choice overload erschöpft, lähmt, macht unglücklich. Man kann dem begegnen, in dem man sich bewusst zu machen versucht, was für ein Entscheidungstyp man selber ist und gegebenenfalls seine Heuristiken (d.h. Entscheidungsregeln) bewusst anpasst. Ein paar interessante Anregungen dazu gab letztes Wochenende die Radio-Sendung Input auf DRS3, nachzuhören hier.

Eine wichtige Erkenntins aus der Neuropsychologie habe ich mir herausgepickt: Die Entscheidung fällt leichter, wenn man sich nur zwischen zwei Optionen entscheiden kann. Also kann man anhand einer persönlichen Kriterienliste vorgehen, und die Optionen sortieren nach „Kriterium erfüllt – Kriterium nicht erfüllt“. Kriterium für Kriterium reduzieren sich so die Optionen, über die man überhaupt noch nachdenken muss. Natürlich ist dabei matchentscheidend, Kriterien zu definieren, die nicht für jede Entscheidung neu gefunden werden müssen, sonst ist man gleich weit wie vorher!

Unsere grosse Wahlfreiheit ist die Folge einer grossen Ungerechtigkeit. Nicht alle Menschen haben überhaupt eine Wahl. Noch nie und nirgends sonst haben die Menschen so viel Auswahl wie wir heute, Anfang des 21. Jahrhunderts, wie wir  hier, in den reichen Ländern dieser Welt. Ein erstes Kriterium für eine neue Heuristik könnte also sein: Ist meine Entscheidung, meine Wahl nachhaltig, sowohl sozial wie ökologisch?

In diesem Sinne könnte man nachhaltige Handlungsempfehlungen als Lebenshilfe verstehen, als eine griffige Erst-Heuristik im Zuviel der Wahlmöglichkeiten.

One Comments to “Choice overload – Nachhaltigkeit als Lebenshilfe”

  1. Katarina sagt:

    Liebe Katia,
    dieses Thema beschäftigt mich seit längerer Zeit. Das fängt schon bei so „kleinen“ Dingen wie 200 verschiedenen Yoghurts im Laden an…
    Leben wir nicht in einer verrückten, verwirrenden Zeit? Ich frage mich manchmal, wie unsere Jugendlichen damit klarkommen. Und dann beschleicht mich das Gefühl, dass es so doch nicht endlos weitergehen kann. Oder kann es doch? Hm!
    Die eigene Verantwortung wiegt schwer; vielleicht aber sehe ich mit zunehmendem Alter einfach die Konsequenzen meines/unseres Handelns klarer.
    Ich grüsse dich herzlich,
    Katarina

Leave a Reply

(required)

(required)