Resteverwertung

Ich habe viele selbst genähte T-Shirts aus hübschen Stoffen. Da fällt so einiges an Stoffresten an. Irgendwann, so hoffte ich, falle mir schon etwas ein, was ich mit diesen Resten anfangen könnte.

Gestern habe ich die neue Ausgabe der Zeitschrift „Handmade Kultur“ gekauft. Darin gefunden: Schnittmuster für Unterwäsche…

Unterhose1

Wäre doch irgendwie noch hübsch, jeweils die zum T-Shirt passende Unterhose tragen zu können …

Frühlings-Selbermachen: Frischkäse mit Bärlauch

Frischkaese

Schon seit jeher möchte ich gerne Sachen selber machen. Ausprobieren, „wie das geht“. Heute haben wir von einem wunderbaren Frühlingsspaziergang etwas Bärlauch mit nach Hause genommen, im Kühlschrank hatte es noch einen Liter Ziegenkäse, und voilà: Frischkäse mit Bärlauch. Noch lauwarm gegessen: Ein Gedicht!

  • 1 Liter Ziegemilch auf 95 Grad erhitzen
  • Saft einer Zitrone dazugeben
  • Unter gelegentlichem Rühren 10 Minuten köcheln lassen
  • Durch ein Tuch abseihen
  • Den Frischkäse aus dem Tuch in eine Schüssel geben
  • Etwas Salz, einen Esslöffel Olivenöl und eine handvoll fein geschnittenen Bärlauch dazugeben
  • Fertig!

Meine VR-Brillen und ich

VR-Brillen_kleinAls Kind war ich fasziniert vom View Master. Das waren diese Brillen, mit den man auf Rädern eingelassene Stereo-Fotografien ansehen konnte, vorzugsweise Disney-Trickfilm-Szenen oder exotische Tiere und Landschaften.

Kürzlich hatte ich die Gelegenheit, an einem VR-Workshop teilzunehmen, anlässlich der Ausstellung von Ian Cheng «Forking at Perfection» im Migros-Museum für Gegenwartskunst. Cheng pröbelt mit den neuen Techniken zur Virtuellen Realität herum, in Ausstellungskatalogdeutsch tönt das etwa so: «In seiner künstlerischen Arbeit untersucht Ian Cheng (*1984, USA) die Wesensart und unterschiedlichen Aspekte von Mutationen und die Fähigkeit des Menschen, sich äusseren Umständen anzupassen. (…)  In seiner ersten Einzelausstellung in der Schweiz zeigt Cheng zwei Versionen der Simulation Emissary Forks At Perfection: einerseits eine Projektion im Panoramaformat, die 2015 zum ersten Mal zu sehen war, andererseits eine Mutation oder Verzweigung («fork») dieser ersten Version, die den Besucher dazu einlädt, auf einem Tablet-Computer die Welt der Simulation, ihre Organismen und unablässige Dynamik physisch zu erkunden.»

Konkret: In einem Raum gab es eine Videoprojektion eines Programms, dass so programmiert ist, dass eine Geschichte sich (mehr oder weniger) zufällig weiterentwickelt und eine Art von dystopischer Evolution in einer postapokalyptischen Welt simuliert wird. In einem zweiten Raum kann man diese grundsätzlich ähnliche Geschichte beeinflussen, indem man sich mit einem Tablet im leeren Raum bewegt und die Geschichte sich dann auf dem Tablet entfaltet und entwickelt, je nach dem wohin man sich bewegt. Im Wesentlichen muss man einem kleinen Hund nachspazieren, und dann entwickelt sich etwas – folgt man dem Hündchen nicht, bleibt der Bildschirm leer. Ich habe den Raum mit einem grossen «so what?» im Kopf verlassen – der technische Aufwand immens, der Erkenntnisgewinn relativ schmal. Aber seien wir grosszügig: Die Kunst ist erst ganz am Anfang mit Ausloten, wozu die Mittel von VR eingesetzt werden könnten.

Nicht nur, was die Kunst betrifft, auch in Bezug auf Storytelling allgemein erschliesst sich mir noch nicht, welchen Mehrwert VR bieten kann. Gegenwärtig wird viel nur deshalb entwickelt, so scheint es, weil «man es kann» und weil es eine geile neue Technik ist. Die Frage, was man mit dem Film, der App, dem Programm etc. erzählen will, stellt sich höchstens am Rand *). Und wenn diese Frage nicht bald mehr ins Zentrum rückt, wird VR wieder verschwinden – so wie die 3D-Fernseher, die ja so ziemlich gefloppt sind. Ob 2016 wie von Herstellern und enthusiastischen Technikjournalisten beschworen das Jahr von VR werden wird, über den Kreis von Hard Core Gamern hinaus, wird sich zeigen – ich bin eher skeptisch. Die Ausrüstung ist teuer, umständlich, braucht viel Platz und bietet nach der ersten Faszination nicht genug, um die mühsamen Seiten auszugleichen.

Am Workshop hatten wir die Möglichkeit, VR-Geräte der neusten Generation auszuprobieren. Spass gemacht hat das definitiv! Ich habe zwei Anwendungen getestet: Ein Zeichenprogramm – es ist schon extrem lustig, wenn man frei im Raum Kreise um sich herum zeichnen kann – und eine Art point-and-click Spiel, das in einer Piratenbar spielt. Dabei lernte ich kennen, was «motion sickness» bedeutet. Das Spiel stockte einmal eine Sekunde, und mir wurde auf der Stelle extrem übel!

Ausserdem haben wir uns eine Karton-VR-Brille gebastelt und ein paar VR-Apps ausprobiert. Die neuen VR-Geräte sind teuer: Das geht schnell in den vierstelligen Bereich. Die Kartonbrillen hingegen, von Google erfunden, sind für unter 20 Franken zu haben, und es gibt ein paar Apps dazu, die sogar gratis sind. Wer Lust hat, diese kostengünstige Version von VR – oder zumindest von 3D –  auszuprobieren, hat die Wahl zwischen verschiedenen Gratis-Apps. Folgende habe ich ausprobiert und kann sie empfehlen:

  • Google Cardboard natürlich, für die ersten Schritte und mit einem sehr hübschen integrierten Kaleidoskop
  • VRPlayer: Splittet normale Videos zu 3D-Videos, klappt erstaunlich gut.
  • NYTVR: Die New York Times experimentiert mit 360°-Filmen als ergänzende Elemente des Storytelling.
  • Youtube: Für Android gibt es die Möglichkeit, 360°-Filme zu splitten, so dass man sie zusätzlich noch 3D geniessen kann
  • Upside Down VR: Eine Umkehrbrille!
  • Zum Schluss noch ein Spiel: Proton Pulse ist ein klassisches Arcade-Spiel, übersetzt in die Mittel von VR. Eigentlich für die „grossen“ VR-Systeme gedacht, aber es gibt auch eine Cardboard-Version.

… und natürlich hat inzwischen auch der gute alte ViewMaster seine eigene 3D-Brille und passende Apps im Angebot:

___

*) Ich beziehe mich hier nicht auf VR für Games oder für Trainings-Simulatoren, da scheint mir der Sinn einleuchtend: In eine Gamewelt ganz eintauchen , dass das einige Leute wollen, scheint mir evident. Und, nebenbei bemerkt, nicht unbedenklich – aber das ist eine andere Geschichte.

___

P.S.: Nicht zu verwechseln mit VR ist AR, augmented reality, bei der die richtige, nicht die virtuelle Welt im Zentrum steht und mit Zusatzinformationen versehen, „erweitert“, wird. Apps wie «peakfinder» oder die Google-Brille gehören in diese Kategorie. Wem AR Angst macht, dem sei der Thriller «Zero. Sie wissen, was du tust» von Marc Elsberg ans Herz gelegt – AR, Totalüberwachung und Datenhandel formen sich zu einer beängstigend gegenwärtigen Dystopie. «Willkommen in Paranoia!»

Zick – zack – geflickt! Wider die geplante Obsolenz.

Ich liebe Rüeblisalat. Und Selleriesalat. Und ja, natürlich auch Schokoladekuchen.

Der Zusammenhang? Für alles brauche ich meine geliebte, alte Zyliss Trommelreibe. Gekauft vor etwa zwanzig Jahren tut sie immer noch ihren Dienst – jedenfalls fast: Der Gummi-Saugfuss wurde inzwischen spröde und will nicht mehr recht halten. Einmal drehen, einmal frisch ansaugen – das wird auf die Dauer mühsam.

In unserer heutigen Welt ist es oft so, dass man beim Versagen der ersten Komponente gleich das ganze Ding entsorgen muss. Mit entsprechend wenig Hoffnung habe ich mich daher an die Firma Zyliss gewandt mit der Frage nach allfällig erhältlichen Ersatzteilen. Und entgegen meinen pessimistischen Erwartungen gibt es diese Gummifüsse zu der zwanzigjährigen Reibe noch. Und nicht nur das: Hätte ich eine Reibe gehabt, die nochmal zwanzig Jahre älter gewesen wäre, hätte ich auch deren Fuss ersetzen können – diese Gummifüsse gibt es zwar offiziell nicht mehr, dafür ein kleines Werkzeug, mit dessen Hilfe man die „neuen“ Gummifüsse aufs Format der alten zurechtschneiden könnte.

So geht das mit dem Widerstand gegen die geplante Obsolenz! Danke Zyliss – dafür, dass ihr zwar das Design der Trommelreibe in den letzten zwanzig Jahren verändert habt, nicht aber die Masse der Verschleissteile, über alle Handänderungen und Turbulenzen der Marke Zyliss hinweg. Das entspricht einer der zentralen Forderungen der Grünen zur Vermeidung der geplanten Obsolenz, Standardisierung und Normierung – hier innerhalb der Versionenreihe eines einzelnen Produktes.

 

Alleine Wandern

Alleine Wandern ist etwas, das ich eigentlich nie mache. Für die Zeit zwischen zwei Arbeitsstellen jedoch schien es mir angebracht, mir einen Allein-Tag zu „verordnen“, um zur Ruhe zu kommen und um umzuschalten. Das wirkt – ein sogenanntes „Solo“ ist denn auch eine gängige natur- und erlebnispädagogische Methode, die hilft, zu sich selber zu kommen und zu eine Verbundenheit mit der Natur zu erleben. Nach fast 16 Jahren Arbeit im Bereich Naturpädagogik dachte ich mir, es sei höchste Zeit, die Methode auch mal an mir selber auszuprobieren ;-).

Ich war alleiner als gedacht – ich dachte mir zwar schon, dass an einem Arbeitstag im Frühling nicht allzu viele Leute am Wandern sind, da es aber der einzige Schönwettertag der letzten Woche war, erstaunte es mich schon, dass ich – abgesehen von der Stunde im „Berg“-Restaurant – höchstens einem Dutzend Leuten begegnete.

Meine Route führte mich von Gibswil auf den Bachtel und wieder runter nach HInwil. Insgesamt 13 Kilometer, 400 Höhenmeter hinauf und 650 Höhenmeter hinunter.

Wissengubel_1000In Gibswil findet man den Weissengubel, eine spektakuläre und gut zugängliche Höhle, von denen es im bachreichen Bachtel-Tösstal-Nagelfluh-Gebiet zahllose gibt. Sie ist so schön, dass es für die Benutzung Beschränkungen gibt. An diesem Aprilmorgen jedoch waren ausser zwei Gemeindearbeitern, die ein bisschen aufgeräumt haben und nach fünf Minuten wieder weg waren, kein Mensch da ausser mir. Der perfekte Ort für ein kleines „Solo“, um eine Stunde ruhig dazusitzen und dem Wasser zuzuhören.

Auswahl

Auf dem Bachtel hat es eine riesengrosse Auswahl an Wanderwegen, und für jedes Ziel mehrere Wege.

Und ich suche mir natürlich genau die Variante aus, die nicht mehr richtig gepflegt wird…

 

 

Zuner Weg

Der Weg hinunter nach Hinwil war dann (leider) nicht mehr so waldig.

Am Wegrand entdeckte ich wunderschöne vierblättrige Einbeeren, die Apfelbäume blühten, die Vögel zwitscherten und zum Schluss hatte der Zug nach Hause massiv Verspätung – nicht nur die Natur, auch die Technik trug ihren Teil zu meinem Entschleunigungsprogramm bei. Nun bin ich bereits und offen für das Neue.

vierblättrige einbeereP.S.: Auf dem Bachtel habe ich entdeckt, dass Yoda offensichtlich Züritüütsch konnte:

yodobachtel

 

Warum ich ein grosses Haus brauche – Entrümpeln, nein danke!

Unser Haus ist ziemlich gross. Sehr gross. Mit genug Platz für Werkstatt, Bastel- und Nähzimmer und vieles mehr. Zum Glück heizen wir mit Holz, und auch nur jeweils diejenigen Räume, die gerade genutzt werden, sonst würde unser ökologischer Fussabdruck jeden Rahmen sprengen.

Wir brauchen diesen vielen Platz. Wir sind Flicker und Bastler und Heimwerker und Selber Macher,  und dazu braucht man nicht nur eine Werkstatt und viel Werkzeug (unsere Bohrmaschine ist viel mehr als 1.5 Minuten pro Jahr in Gebrauch!), sondern auch Stauraum, für all diejenigen Sachen, die man „vielleicht einmal gebrauchen kann“.

Regenjacke vorherLetzte Woche z.B. habe ich mir eine neue Regenjacke gekauft. Wenn die alten innen so aussieht, ist nämlich nichts mehr zu machen.

Bei Flickern und Bastlern geht es nun nach dem Kauf der neuen Jacke so weiter, dass die alte aufgeschnitten wird und alle Teile, die man „vielleicht einmal gebrauchen kann“ werden herausgetrennt.

Regenjacke nachher

So haben wir einen reichen Vorrat nicht nur an herausgetrennten Reissverschlüssen, Elektrozubehör, Holzstücken, Rohrteilen, alten Möbeln, halb kaputten Dingen, die man – genau – „vielleicht einmal für etwas gebrauchen kann“.

In diesem Sinne ist es ziemlich nachhaltig, sehr viele Dinge zu besitzen – oder vielleicht sind all die vielen, vielen gesammelten und noch nicht wieder genutzten Dinge nur EIN, allerdings ein ziemlich grosses Ding – unser Sekundär-Rohstoff-Lager nämlich.

DDR_Museum_Zeitreise_Radebeul_Schild_SERO_Annahmestelle

By Stefan Kühn (Own work) [CC BY-SA 3.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0)], via Wikimedia Commons

Die Entrümple-Dein-Leben-Bewegung ist definitiv nichts für mich.

 

 

 

„Zero Waste Home“ ist puristischer Blödsinn – Abfall möglichst reduzieren ist aber trotzdem richtig, liebe Calida

Am eco.naturkongress Ende März habe ich Béa Johnsons Projekt „Zero Waste Home“ kennen gelernt. Béa Johnson ist die Päpstin des abfallfreien Lebens, ihre Familie produziert einen Liter Abfall pro Jahr. Davon kann sie inzwischen gut leben: Sie hat einen Blog, sie hat Bücher geschrieben, sie fliegt (sic!) um die Welt, um den chicen und gesunden „zero waste lifestyle“ zu promoten. Ich habe diesem Projekt gegenüber mehrere Vorbehalte. Die wichtigsten:

  • Sie fliegt rund um den Globus um ihren Lebensstil zu promoten. Um diesen CO2-Ausstoss zu kompensieren, muss sie SEHR viele Menschen überzeugen.
  • Abfall ist bei weitem nicht die einzige – und erst recht nicht die wichtigste ! – Komponente eines nachhaltigen Konsums. Verpackte Lebensmittel können z.B. haltbarer sein als offene und Foodwaste entgegenwirken.
  • Offenverkauf produziert nicht keinen Abfall – der Verpackungsabfall bleibt einfach im Laden. Klar ist es weniger – aber halt nicht Zéro. Wenn Béa Johnson diesen indirekten Abfall nicht mitrechnet, macht sie sich und ihren AnhängerInnen etwas vor.
  • Man kann Abfall auch einfach anderen KonsumentInnen delegieren: Die Kleider auf dem Flohmarkt verkaufen, bevor sie kaputt sind – dann müssen sie die nächsten Besitzer entsorgen. Oder das zweitneuste Smartphone weiterverkaufen und sich dann das neuste kaufen.
  • Mein wichtigster Vorbehalt: Selber „rein“ zu bleiben und jaaaa keinen Fehler machen bindet sehr viel Energie. Den Aufwand, den man treibt, um ja keinen Abfall zu produzieren (oder um ausschliesslich vegan zu essen und zu leben, oder um ein Jahr lang „ums tüüfls gwalt“ keine Konsumartikel zu kaufen etc. etc.) nimmt einem die Energie und raubt einem die Zeit, die man nötig hätte, um sich dafür einzusetzen, dass sich gesellschaftlich etwas verändert.

Trotz dieser Einwände: Komplett falsch liegt Béa Johnson nicht. Wir produzieren tatsächlich viel zu viel Abfall (und wir essen auch zu viel Fleisch und Milchprodukte, nebenbei bemerkt). Das ist ein grosses Problem, und Béa Johnson ist eine grossartige Motivations-Rednerin und eine gute Autorin. So kann sie unbestreitbar dazu inspirieren, sich Gedanken darüber zu machen, wie es denn mit weniger Abfall gehen würde.

Tauschen, Mieten, Reparieren, Reduzieren – das alles ist gut und sehr wichtig. Läden wir Original Unverpackt in Berlin oder auch der Bachser Märt, der in der Fililale Kalkbreite in Zürich über 50 Produkte unverpackt anbietet, sind wichtige Pioniere. Denn wir haben ein riesengrosses Plastikproblem . Und ein ziemlich verkanntes Sekundärrohstoff-Verschwendungsproblem (2). Und überhaupt ein Umweltproblem.

Genau genommen hat unser Planet ein Menschenproblem.

abfall

Gewisser Abfall ist einfach nur – *grr*: Zum Beispiel Calida

Heute habe ich ein neues Unterhemd gekauft. Ich habe mich für eines von Calida entschieden, denn der Laden im Dorf führt diese Marke und ich weiss, dass dieses Hemdchen lange schön bleiben wird, also lange nicht im Abfall landen wird. Nur war es leider in einen äusserst stabilen Kunststoffumschlag verpackt. Und das, obwohl Calida sich einiges vorgenommen hat in Sachen Nachhaltigkeit – nachzulesen im CSR-Report 2014 (den man übrigens auf der Calida-Website löblich schnell findet). Das hat mich dazu bewogen, Calida ein Mail zu schreiben:

Calidaplastikganz„Sehr geehrte Damen und Herren
Heute habe ich mir ein neues Unterhemd gekauft. Ich habe mich für eines von Calida entschieden, weil ich weiss, dass dieses lange halten wird. Das ist mir wichtig, denn wir produzieren in der Schweiz viel zu viel Abfall.
Es gefällt mir, dass Calida gemäss CSR-Report Wert auf Recycling und Müllvermeidung legt. Leider habe ich mich nicht für eines jener Produkte entscheiden können, das am Bügel angeboten wird. Die waren mir alle zu spitzenverziert, ich brauchte hingegen ein schlichtes Sporthemd. Und hier widerspricht die Verpackung Ihrem Anspruch leider stark: Die Plastikverpackung ist von einer Stärke und Wertigkeit, die absolut überflüssig ist. Sie schreiben, die „Produkteverpackungen dienen primär der optimalen Information der Kunden“ (CSR-Bericht, Seite 27). Die Information auf dem Plastik besteht aber lediglich im aufgeklebten Preisschild. Das wäre sicher mit sehr viel weniger Verpackungsmüll möglich.  Ich stelle mir zudem vor, dass mit einer weniger aufwändigen Verpackung auch das Transportvolumen reduziert werden könnte.
Es würde mich sehr freuen, wenn Sie Verpackungsalternativen prüfen würden.
Mit freundlichen Grüssen, Katia Weibel“

Ich bin gespannt, ob ich von Calida eine Antwort bekomme, und wie sie lautet.

*****

(1): Die Prizipien der Abfall-Verminderung, die Béa Johnson promotet, sind grundsätzlich sehr sinnvoll und im Alltag ein hilfreicher Merksatz – aber wie bei allem, bitte massvoll damit umgehen:
Refuse, Reduce, Reuse, Recycle and Rot
(Abfall verweigern, reduzieren, wiederverwenden, rezyklieren, und kompostieren).

(2): Dazu eine interessante Studie des GDI:
http://www.gdi.ch/media/summaries/2012_D_GKR_Recycling_Summary.pdf 

Gartensaison-Eröffnung

Gartenlegasthenikerin die ich bin, muss ich mir notieren, was ich jeweils so in der Erde herumwühle – sonst vergesse ich bis nächstes Jahr, was gelungen war und was nicht.

Heute habe ich den Rosmarintopf vor die Haustüre gestellt. Er hat mit 1x alle zwei Wochen giessen auf dem kühlen, sonnigen Fenstersims in der Werkstatt erfolgreich überwintert. Der Papageienstrauch hat es bei denselben Bedingungen leider nicht geschafft.

Rosmarin

 

Auch angesät habe ich: Erbsen, Feuerbohnen, Ringelblumen, Borretsch, Petersilie, Griechischen Basilikum, Sonnenblumen, Tomaten. Im Korb sind Leinen, Hasenschwänzchengras und Kapuzinerkresse. Der Korb kommt dann vor die Haustür – sobald es warm genug ist, dass der Rosmarin in den Garten kann. Dann kommt auch die Pfefferminze vom Winterplatz im Wohnzimmer in den Garten. Und das ist gut so – es hat Regenwürmer in der Erde, die leider raus wollen. Und ich finde es nicht so toll, tote Regenwürmer von Wohnzimmerboden aufzulesen.

Ansaat

Sobald die Komposterde bereit ist, möchte ich die zwei Beete im Garten vorbereiten. Dort kommen – als Setzlinge noch zu kaufende – verschiedene Küchenkräuter rein.

Der Pfirsichbaum braucht noch etwas Pflege – er hat leider die Kräuselkrankheit. Wir rücken ihr diese Woche mit Peressigsäure zu Leibe.

 

 

 

Spielende Rebellinnen

Immer wieder vor Weihnachten wird viel zum Thema gegendertes Spielzeug geschrieben. Selber muss ich mich nicht mit rosafarbenem Plastik auseinandersetzen, ich habe keine Töchter und auch keine Gottenmeitli. Als Feministin und als Bubenmutter finde ich das Thema aber dennoch wichtig. Nur denke ich, dass viele KommentatorInnen einen wichtigen Aspekt übersehen.

Das Spielverhalten von Mädchen und Buben unterscheidet sich, so sehr man sich als Erziehende auch Mühe gibt, Gegensteuer zu geben oder nicht zu beeinflussen. Aber es ist nicht, wie viele meinen, in erster Linie das WOMIT, sondern das WIE, in dem sich das Spielen unterscheidet. Mädchen spielen häufiger kooperative Rollenspiele, in denen viel kommuniziert wird. Wenn in der Puppenecke ein Werkzeugkasten wäre, würde es mich nicht erstaunen, wenn die Mädchen gemeinsam Haus reparieren spielen würden – aber mit viel Reden, Reden, Reden.

Interessieren würde mich, wie gut sich die Mädchenlinie „rebelle“ der (damit keine Missverständnisse aufkommen: grundsätzlich absolut unsäglichen, egal in welcher Gendervariante!) Nerf-Spielsachen verkauft. Ich vermute, Nerf hat damit vieles richtig gemacht: Die Dinger heissen „rebelle“, und verschiessen nicht nur Schaumstoffpfeile, sondern auch Botschaften. „justice for all“, „you rock“, „love&peace“ steht auf den Pfeilen. Frau kann damit also nicht nur kämpfen – für Gerechigkeit und Frieden, suggerieren die Spielsachen -, sondern auch kommunizieren.

Das ist Nerf Rebelle:

Der interessanteste Beitrag zum Thema in diesem Jahr stand übrigens in der NZZ. Lesenswert!

„Tust du mir (einen) Gefallen?“:
Warum ich nicht bei sharely.ch mitmache

(CC) Emilio Quintano (eq on Flickr)

(CC) Emilio Quintano (eq on Flickr)

Share economy ist eines der Boom-Schlagworte der Stunde.

Nachbarschaftshilfe war bisher nicht mit Geld verbunden. Interessanterweise existieren im Netz sehr viele Projekte die auf dem Prinzip Nachbarschaftshilfe basieren – wenn es um Informationen geht, sind die Menschen sehr freigiebig. Bewertungen, Informationen, Tipps werden kostenlos weitergegeben – der open source Gedanke dahinter funktioniert. Dienste wie ask.fm, gutefrage.de und letztlich auch Wikipedia sind „Nachbarschaftshilfe“ mit Informationen im Netz, und viele user sind sehr freigiebig mit ihrem Wissen.*

Geht es jedoch nicht um Wissen, sondern um Gegenstände, funktioniert dieses Prinzip offensichtlich nicht mehr. Nachbarschaftshilfe im Netz gibt es nun gegen Geld. Und zwar nicht nur auf den virtuellen Flohmärkten (auch in den realen Flohmärkten geht es um Geld, aber auch dort meist um tiefere Beträge als auf ricardo.ch…), sondern auch, wenn Gebrauchsgegenstände nur ausgeliehen werden.

Klassische Nachbarschaftshilfe beruht auf Gegenseitigkeit, als Nutzen winkt  sozialer Austausch und Anerkennung und der Hoffnung, dass man selber auch mal in den Genuss eines Gefallens kommt (das Wort drückt  sehr gut aus, worum es dabei geht – gibst du mir, gefällst du mir). Ich habe noch nie einem Nachbarn einen Gegenstand für Geld ausgeliehen (höchstens mal für ein Bier – das wir dann aber zusammen trinken). in Der Share Economy geschieht aber genau dies: Ausleihen gegen Geld. Ein zutiefst kapitalistisches Konzept – wer die Produktionsmittel besitzt, macht den Gewinn. Wohingegen klassische Nachbarschaftshilfe im Sinne der Subsistenzwirtschaft funktioniert: Wenn ich meiner Nachbarin meine Leiter ausleihe, trau ich mich dann zu fragen, ob sie mir vielleicht den Garten giesst, wenn ich mal ein paar Tage weg bin. Und in der Summe geht das Spiel in der Regel auch (mehr oder weniger) auf.

Die Monetarisierung der Nachbarschaftshilfe degradiert soziale Beziehungen zu Geschäftsbeziehungen.  Für erschreckend wenig Geld sind die Menschen bereit, lieber Cash als soziale Anerkennung zu bekommen. Für einen Franken pro Tag kann man z.B. eine Heissleimpistole oder einen Mixer mieten.

Die Share Economy macht unser Leben nicht sozial reicher. Wir müssen bloss weniger Geld ausgeben. Ob das dazu führt, dass der Fussabdruck der NutzerInnen sinkt, oder ober er sogar steigt (da mehr Geld für andere Konsumgüter, schlimmstenfalls für Flugreisen, zur Verfügung steht) – da bin ich mir nicht so ganz sicher…

— — —

* Dass diese Freigiebigkeit kommerziell ausgebeutet wird, ist in diesem Zusammenhang ein Nebengedanke